Alzheimerkrankheit

Die Alzheimer Krankheit, benannt nach dem deutschen Arzt Alois Alzheimer, der das Krankheitsbild 1907 erstmals beschrieb, gehört zu einer Gruppe von Krankheiten, die vom Arzt als Demenzen bezeichnet wird.

Unter Demenz versteht die Medizin den krankhaften Verlust erworbener kognitiver (geistiger) Fähigkeiten - bei Fortschreiten der Krankheit kommt es zunehmend zur Verwirrtheit.

 

Die Alzheimer Krankheit wird vom Arzt als Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) bezeichnet.

 

Mit dem Tod der ersten wissenschaftlich dokumentierten Alzheimerpatientin Auguste D. am 8. April 1906 in Frankfurt beginnt die Alzheimerforschung. Augustes behandelnder Arzt Alois Alzheimer untersucht in den Wochen und Monaten nach ihrem Tod in seinem Labor in München ihr Gehirn und stellt eine bisher unbekannte Veränderung fest.

 

Ursachen

Bei ca. 10% aller Demenzen kann der Arzt nach einer genauen Diagnostik Erkrankungen festmachen, die eine Demenz auslösen (sogenannte sekundäre Demenzen), d.h. die Ursachen sind bekannt und eine ursachenorientierte (kausale) Behandlung ist möglich.

 

Bei ca. 90% der Demenzen sind die Ursachen unbekannt. Sie werden als primäre Demenzen  bezeichnet. Davon sind:

  • ca. 60% Demenzen vom Alzheimer Typ,
  • ca. 20% vaskulär (gefäßbedingt),
  • ca. 10% Mischformen zwischen Alzheimer und vaskulärer Form.

Auswirkungen

Bei den Demenzen kommt es durch nicht geklärte Ursachen zur Störung des Stoffwechsels im Gehirn und zum irreversiblen Untergang von Gehirnzellen.

 

Bei der Demenz vom Alzheimer Typ kommt es zu einer Schrumpfung des Hirngewebes, wobei das Gehirn in ausgeprägten Fällen bis zu 500g weniger wiegen kann als bei Gesunden gleichen Alters.

Die Demenzerkrankung führt über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu einer vollständigen Zerstörung der Persönlichkeit und zur Pflegebedürftigkeit.

 

Risikofaktoren

Das Hauptrisiko ist das zunehmende Alter. Der Anteil der Demenzen-Kranken nimmt mit steigendem Lebensalter zu: 

  • 60jährige ca.  1% 
  • 70jährige ca.  5% 
  • 80jährige ca. 20%
  • 90jährige ca. 30%

Zur Zeit leben in Deutschland schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen die an Demenzen leiden. Davon sind ca. 1 Million von der Alzheimer-Krankheit betroffen.

Bedingt durch die Veränderung der Bevölkerungsstruktur werden die Zahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen.

Bis zum Jahr 2050 wird mindestens mit einer Verdoppelung, wenn nicht Verdreifachung der Zahl der Demenzkranken gerechnet.

 

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Diagnose

Die Demenzdiagnostik ist eine Ausschlusdiagnostik. Dabei gilt es, insbesondere Depressionen und sekundäre Demenzen auszuschließen.

 

Es gibt heute bereits eine Reihe einfach durchzuführender Testverfahren, die sich in der Praxis bewährt haben, um kognitive Störungen (Gedächtnisstörungen) festzustellen.

Um welche Art von Demenz (sekundär, Alzheimer, vaskulär) es sich letztlich handelt, entscheidet der weitere Diagnoseweg.

 

Therapie, allgemein

Jede zehnte Demenzerkrankung - die sekundären Demenzen - bietet über die Therapie der Grunderkrankung zum Teil gute Heilungschancen.

 

Die Therapie der Demenz erfordert einen umfassenden, ganzheitlichen Ansatz, dabei werden Medikamente und andere Therapieformen (nichtmedikamentöse Therapien) eingesetzt.

Eine ursachenbezogene (kausale) Therapie mit Heilung der primären Demenzen (z.B. Demenz vom Alzheimer Typ) ist bislang nicht möglich.

 

Therapieziel

Wie bei anderen chronisch degenerativen Erkrankungen ist bereits das zeitweise Bremsen oder Stoppen des Fortschreitens der Erkrankung als Erfolg zu werten.

 

Die ganzheitliche Behandlung bewirkt:

   1. die längere Erhaltung der Kompetenz  und der subjektiven Befindlichkeit der Patienten,

   2. die Entlastung pflegender Angehöriger,

   3. die Verhinderung der Progredienz dementieller Erkrankungen,

   4. die Verzögerung der Einweisung in Pflegeeinrichtungen.

 

Nichtmedikamentöse Therapie

Besonders wichtig ist es, die Therapie auf den Krankheitsverlauf auszurichten und eine Überforderung der Patienten zu vermeiden.

 

Es werden die noch vorhandenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten gefördert, ohne Frustrationen auszulösen.

A) Bewegungstherapie

B) Geistige Aktivierung

C) Soziotherapie "Umfeldstrukturierung"

 

Frühzeitig muss auf die soziale Einbettung der Kranken geachtet werden. Alle an der Betreuung und Pflege Beteiligten sollten schon zu Beginn über die Auswirkungen der Krankheit informiert sein. Ein rechtzeitig erstellter Pflegeplan unter Einbeziehung aller verfügbaren Betreuer verzögert eine Heimeinweisung, kann diese sogar überflüssig machen.

Dem "36-Stunden-Tag" einer einzigen Betreuungsperson kann so entgegengewirkt werden.

 

Medikamentöse Therapie

 

A) Kausal (Ursachenbezogen)

Bisher ist es nicht möglich, primäre Demenzen ursächlich medikamentös zu behandeln. Einige wesentliche Störungen im Gehirnstoffwechsel lassen sich jedoch mit den sogenannten Antidementiva positiv beeinflussen.

 

Nach Auffassung von Fachgesellschaften stehen auf Grund bestehender Zulassung, Positivmonographien, und/oder entsprechender Dokumentationen eine Reihe unterschiedlicher Substanzen zur Pharmakotherapie kognitiver Leistungsstörungen zur Verfügung.

 

Wegen der Vielzahl möglicher Ursachen finden Substanzen mit unterschiedlichen Wirkansätzen Anwendung. Häufig bringt auch erst eine Kombination von Medikamenten einen entsprechenden Erfolg.

 

Die Medikamente sind besonders in der Anfangs- und mittleren Phase der Erkrankung unverzichtbar und zeigen auch im fortgeschrittenen Stadium positive Effekte.

 

B) Symptomatisch

Begleiterscheinungen der Krankheit, wie ein gestörter Schlaf-/ Wachrhythmus, Wahnvorstellungen, Ruhelosigkeit, Niedergeschlagenheit und auch Aggressionen, lassen sich durch entsprechende Medikamente behandeln. Ihr Einsatz erfordert jedoch viel Wissen und Erfahrung im Umgang mit Demenzkranken, da sie falsch dosiert die Krankheit verschlimmern können.

 

Versorgung

Patienten mit Demenzen benötigen eine intensive, meist "Rund um die Uhr" -Betreuung. Demente sind deshalb ein wichtiger Indikator für die Belastungen im Pflegebereich. Bislang werden ca. 80 % der Erkrankten zu Hause durch Angehörige gepflegt. 85 % der Pflegenden sind Frauen; bei 35% der Erkrankten die Partnerin, bei weiteren 60% Töchter oder Schwiegertöchter.

Die Angehörigen sind in aller Regel seelisch und körperlich überfordert. Diese Überforderung kann bei einer fehlenden Unterstützung durch professionelle Helfer im Laufe der Zeit zu einer Erkrankung der pflegenden Angehörigen führen.

Um hier nicht einen Kreislauf auszulösen, an dessen Ende dann ein zu pflegender Pfleger steht, gilt es, den pflegenden Angehörigen eine breitest mögliche Unterstützung, wie etwa Angehörigengruppen, Pflegedienste etc., zukommen zu lassen.

 

Kosten

Da die Kosten in unterschiedlichen Bereichen entstehen und aus unterschiedlichen "Töpfen" bezahlt werden, sind die Gesamtkosten nur zu schätzen.

 

Durch eine umfassende Therapie entstehen zwar zunächst Mehrkosten, dennoch kann es durch das Hinausschieben der Einweisungen in teure Pflegeheime zu Einsparungen um bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr kommen.

Das Institut für Gesundheitssystem Forschung in Kiel rechnet für die durch Demenz verursachten Behandlungs- und Pflegekosten mit Gesamtkosten um bis 35 Milliarden Euro pro Jahr.

 

Quellen/weiterführende Literatur:

 

Die zur Zeit beste Übersicht über das Thema in Deutschland gibt:

 

Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland:

Risiken, Lebensqualität und Versorgung Hochaltriger - unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen

 

 

Der Vorsitzende der Komission, Prof. Dr. med. Siegfried Kanowski, war bis 1998 stellv. Vorsitzender der Hirnliga e.V und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Hirnliga.

In der Kommission hat außerdem Prof. Dr. med. Ralf Ihl mitgearbeitet. Er ist Vorstandsmitglied der Hirnliga e.V. und Präsident der europäischen Arbeitsgemeinschaft für Gerontopsychiatrie EAGP.

 

Hier können Sie den 4. Altenbericht einsehen.

 

 

Eine ganz aktuelle wissenschaftliche Übersicht über den Kenntnisstand zur Diagnostik und Therapie der Demenz findet sich in:

 

Bergner, Hampel, Möller, Zaudig

Gerontopsychiatrie: Grundlagen Klinik und Praxis

 

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2005 ISBN 3-8047-2068-4

 

Der Vorsitzende der Hirnliga e.V., Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Möller, ist Mitherausgeber dieses umfangreichen (788 Seiten) Buches. Neben anderen Hirnliga-Mitgliedern hat u.a. der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates, Prof. Dr. med. Siegfried Hoyer, an dem Buch mitgearbeitet.

 

Institut für Gesundheits-System-Forschung, Kiel

 

K. Maurer, R. Ihl, L. Frölich: Alzheimer; Grundlagen, Diagnostik, Therapie Springer Verlag, Berlin, 1993

 

BDA-Manual, Demenz