Steinberg-Krupp-Alzheimer-Forschungspreis
2008

Dr. Lawrence Rajendran
Universität
Dresden
„Efficient Inhibition of the Alzheimer’s Disease
b-Secretase by Membrane Targeting”
Science 320, 520 (2008);
Die Alzheimersche Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative
Erkrankung: Zunehmend verlieren Nervenzellen (Neuronen) ihre Funktionsfähigkeit.
Zuerst betroffen sind dabei Neuronen in denjenigen Hirnregionen, die
wichtig für das Erinnerungsvermögen sind. Der genaue Grund
für diese Demenz-Erkrankung ist noch immer rätselhaft, aber
die Wissenschaftler sind sich mittlerweile einig, dass ein kleines kurzkettiges
Eiweiß, das Amyloid-Peptid, dafür verantwortlich ist. Charakteristisch
für die Alzheimersche Krankheit sind flächenhafte Amyloid-Ablagerungen
im Gehirn, sogenannte Plaques: Sie und auch Amyolid in seiner löslichen
Form werden als Auslöser der Neuronen-Zersetzung gehandelt. Die
Amyolid-Ablagerungen entstehen aus einem Membranprotein, dem sogenannten
APP (ß-Amyloid-Precursor-Protein). Dieses in der Membran der Nervenzellen
verankerte Eiweiß kann von zwei verschiedenen Enzymen gespalten
werden; eines davon, die erst kürzlich identifizierte ß-Sekretase,
zerschneidet das Protein so, dass sich Amyloid-Ablagerungen bilden können.
Die Erforschung der molekularen und zellulären Mechanismen, die
diesen Prozessen zu Grunde liegen, sind von grosser Bedeutung: Sie werden
nicht nur helfen, die Krankheit besser zu verstehen, sondern auch Ansatzpunkte
für neue Therapien liefern.
Wir haben zwei zellbiologische Hauptfragen zur Alzheimer-Krankheit untersucht:
APP und die Sekretasen, die APP spalten, sind Membranproteine, die in
verschieden Membransystemen innerhalb der Zelle zu finden sind, z.B.
in der Plasmamembran, im Golgi-Apparat, in Endosomen und in Lysosomen.
So stellt sich die Frage: Wo genau in der Zelle spalten diese Enzyme
APP und produzieren damit das Amyloid-Peptid? Und wie findet das Amyloid
Peptid den Weg aus der Zelle heraus, was dann zur Bildung der Amyloid
Plaques führt? Wir konnten zeigen dass, obwohl APP und die Sekretasen
in der Plasmamembran lokalisiert sind, die APP-Spaltung nur dann stattfindet,
wenn APP und die Sekretasen vorher in die Zelle eingeschleust wurden.
Dies geschieht über Endozytose. Nach der Internalisierung werden
APP und die ß-Sekretase in ein spezielles Endosom, das frühe
Endosom, transportiert, wo APP durch die ß-Sekretase gespalten
wird, um anschließend von der ?-Sekretase gespalten zu werden.
Unsere Ergebnisse zeigen weiterhin, dass in frühen Endosomen gebildete
Peptide weiter transportiert werden zu den späten Endosomen. Durch
Fusion dieser späten Endosomen mit der Plasmamembran wird ein Teil
der Amyloid-Peptide an kleine Transport-Vesikel, sogenannten Exosomen,
geknüpft und aus der Zelle freigesetzt. Aufgrund dieser Erkenntnis
scheint von nun an die Interpretation naheliegend, dass solche mit Exosomen
assoziierte Amyloid-Peptide gleichsam als Keime für die Bildung
von Amyloid Plaques dienen. Die Ergebnisse wurden möglich durch
zellbiologische Grundlagenforschung: Unsere Experimente konnten zum
ersten Mal beschreiben, wo genau in der Zelle die ß-Sekretase
APP spaltet, und haben außerdem einen neuen Weg für die Freisetzung
des Amyloid Peptids aufgezeigt. Die Hemmung der ß- oder ?-Sekretase
sind eine mögliche Strategie für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit,
aber die Hemmstoffe müssen auch an den korrekten Wirkungsort der
Sekretasen innerhalb der Zelle transportiert werden. Basierend auf den
Erkenntnissen, wurden bestehende ß-Sekretase-Hemmer mit einem
Membrananker versehen, um diese in frühe Endosomen transportieren
zu können. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Endosom-spezifischen
Hemmstoffe um ein Vielfaches effektiver sind als die löslichen,
bisher auf dem Markt erhältlichen Hemmstoffe. Dies ist wichtig,
da bisherige Therapieansätze den genauen Wirkungsort des Enzyms
vernachlässigten - und nur unspezifisch, also breit gestreut, wirkten.
Diese neuartigen Hemmstoffe hingegen hängen sich direkt an floßartig
umher schwimmende Untereinteilungen der Zellmembran (Rafts) und werden
so genau an den Ort in der Zelle gebracht, in denen die ß-Sekretasen
zum Ausbrechen der Alzheimer-Krankheit beitragen. So zeigt die vorliegende
Arbeit, dass ein zellbiologisches Grundverständnis der Alzheimerschen
Krankheit essentiell ist für die Entwicklung effektiver Behandlungsstrategien.
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