Steinberg-Krupp-Alzheimer-Forschungspreis
2006
Dr. Adreas Fellgiebel, Universität Mainz
Color-coded diffusion-tensor-imaging of posterior cingulated
fiber tracts
in mild cognitive impairment
Bei den vorgelegten eigenen Publikationen handelt es sich um klinische
Studien zur Diffusions-Tensor Bildgebung (DTI), einem neueren strukturellen
Magnet-Resonanz-Tomographie-Verfahren. Im Fokus der Untersuchungen stand
die sensitive Diagnostik der Alzheimer-Erkrankung zu einem frühen
Zeitpunkt. DTI-Untersuchungen wurden bei Patienten mit Alzheimer-Demenz
und Patienten mit amnestischem Mild Cognitive Impairment (MCI), einem
häufigen klinischen Übergangszustand zwischen dem normalen
Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Alter und der Alzheimer-Demenz,
durchgeführt.
Wir konnten mit unseren Arbeiten erstmalig zeigen, dass Patienten mit
MCI ultrastrukturelle Veränderungen in Hirnregionen aufwiesen,
die typischerweise früh im Rahmen der Alzheimer-Erkrankung betroffen
sind (Hippocampus, Temporallappen und Parietallappen). Die verminderte
neuropsychologische Leistungsfähigkeit (episodisches Gedächtnis
und MMSE) korrelierte signifikant mit Integritätsstörungen
der Faserbündel des linken posterioren Cingulums, das ein wichtiges
neuronales Substrat der Gedächtnisleistung darstellt.
DTI und volumetrische Untersuchungen des Hippocampus, der eine zentrale
Struktur für die Gedächtniskonsolidierung ist, ergaben, dass
die Diffusivität des linken Hippocampus deutlicher mit den Gedächtnisleistungen
der MCI-Patienten korrelierte als die Hippocampusvolumina und dass die
Kombination beider Parameter wahrscheinlich eine verbesserte Identifizierung
neurodegenerativer Veränderungen in vivo ermöglicht. Eine
Längsschnittuntersuchung von MCI-Patienten mit DTI und Hippocampusvolumetrie
unter Baselinebedingungen erbrachte, dass der Übergang in die Demenz
nach durchschnittlich 1,5 Jahren mittels hippocampaler DTI (Diffusivität)
besser prädiziert werden konnte als durch die hippocampalen Volumenmessungen.
Die vorgelegten Arbeiten zeigen, dass DTI eine vielversprechende neue
Methode struktureller Bildgebung darstellt, die eine sensitive Quantifizierung
funktionell relevanter zerebraler Strukturstörungen ermöglicht
und hierbei bisherigen quantifizierenden strukturellen Verfahren (z.
B. der MR-Volumetrie) überlegen sein könnte. Eine Weiterentwicklung
der DTI zum klinischen Routineeinsatz im Rahmen der Alzheimer-Frühdiagnostik
erscheint vor dem Hintergrund dieser vielversprechenden Ergebnisse machbar
und wünschenswert.
Zurück zur Übersicht der Preisträger