Steinberg-Krupp-Alzheimer-Forschungspreis 2004

 

 

Frau Dr. Anja Busse, Leipzig

 

“Mild cognitive impairment- Prevalence, incidence and outcome according to different diagnostic criteria”

 

Personen mit leichten kognitiven Störungen (LKS) zählen zu den wichtigsten Risikogruppen für die Entwicklung von Demenzerkrankungen.

Die derzeit diskutierten unterschiedlichen LKS-Konzepte führen jedoch zu verschiedenen Angaben hinsichtlich der Häufigkeit und des Verlaufs von LKS. Es ist notwendig, ein einheitliches LKS-Konzept mit einer hohen Vorhersagekraft für die Entwicklung einer Demenzerkrankung zu definieren, um effektive pharmakologische oder psychosoziale Interventionen zu entwickeln, die bei frühzeitiger Anwendung bei Personen mit LKS den Beginn einer Demenzerkrankung verzögern könnten.

Bislang gibt es kaum bevölkerungsrepräsentative Langzeitstudien, die unterschiedliche LKS-Konzepte miteinander vergleichen sowie die Häufigkeit von LKS-Fällen in der Bevölkerung ermitteln.

 

Auf der Grundlage der Leipziger Langzeitstudie in der Altenbevölkerung (Leitung Prof. Angermeyer, Universität Leipzig) wurden unterschiedliche in Praxis und Forschung verwendete Konzepte für LKS hinsichtlich ihrer Vorhersagekraft für die Entwicklung einer Demenzerkrankung miteinander verglichen. Hauptinstrument der Untersuchung war ein neuropsychologischer Test (SIDAM - Strukturiertes Interview zur Diagnose der Demenzen vom Alzheimer-Typ, der Multiinfarktdemenz und Demenzen anderer Ätiologie).

 

Die Untersuchungen konnte zeigen, dass die LKB-Konzepte „AACD“ (age-associated cognitive decline, Levy et al. 1994) und „MCI“ (Mild cognitive impairment, Petersen et al. 2001) eine gute Demenzvorhersage ermöglichen:


- ein Drittel der Personen mit dieser Diagnose in der Erstuntersuchung entwickelten innerhalb des dreijährigen Untersuchungszeitraumes eine Demenzerkrankung,


- fast zwei Drittel aller innerhalb des dreijährigen Beobachtungszeitraumes neu aufgetretenen Demenzfälle erfüllten vorher die Diagnosekriterien für MCI bzw. AACD (Hauptkriterium: mindestens eine kognitive Funktion ist beeinträchtigt, d.h. die Leistung liegt unter dem Durchschnittswert der entsprechenden Alters- und Bildungsgruppe).

 

Die vorliegenden Studienergebnisse belegen, daß mittels Frühdiagnostik schon allein auf der Grundlage neuropsychologischer Tests ein entscheidender Anteil von Personen, die später eine manifeste Demenzerkrankung entwickeln, frühzeitig identifiziert werden kann.

 

 

Literatur:

Subclassifications for Mild Cognitive Impairment: prevalence and predictive validity
Busse, A., Bischkopf, J., Riedel-Heller, S., Angermeyer, M.
Psychological Medicine 33 (2003) 1029-1038

 

Mild cognitive impairment: prevalence and predictive validity according to current approaches
Busse, A., Bischkopf, J., Riedel-Heller, S., Angermeyer, M.
Acta Neurologica Skandinavica 108 (2) (2003) 71-81

 

Mild cognitive impairment: Prevalence and incidence according to different diagnostic criteria – Results of the Leipzig Longitudinal Study of the Aged (LEILA 75+)
Busse, A., Bischkopf, J., Riedel-Heller, S., Angermeyer, M.
British Journal of Psychiatry 182 (2003) 449-454

 


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