Forschungsförderung 2008
Teipel, Stefan
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universität Rostock
Kurzbeschreibung
Effekt cerebrovaskulärer Veränderungen auf die neuronale
Faserintegrität bei
Alzheimer-Patienten und Patienten mit vaskulärer Demenz - eine
DTI-basierte Studie
Die Alzheimer Krankheit ist die häufigste Ursache für eine
Demenz im Alter in Europa und
Amerika. Bei der Alzheimer Krankheit kommt es zum Untergang spezifischer
Nervenzellen
im Gehirn, so dass die Übertragung der Informationen über
die Nervenfasern nicht mehr
ausreichend gewährleistet ist. Eine weitere wichtige Ursache für
Demenzerkrankungen sind
Veränderungen der Blutgefäße des Gehirns. Dabei kommt
es aufgrund einer chronischen
oder akuten Mangeldurchblutung zu einer Schädigung von Hirngewebe
mit einer
nachfolgenden Beeinträchtigung der Informationsübertragung
über die Nervenfasern. In
asiatischen Ländern stellen die vaskulären Veränderungen
sogar die häufigste Demenzform
dar. Beiden Demenzformen, der Alzheimer Krankheit und der vaskulären
Demenz, liegt als
gemeinsamer Mechanismus der Verlust der Integrität der Nervenfasern
im Gehirn zugrunde,
der zu einer Beeinträchtigung der Informationsübertragung
führt.
Mit Hilfe eines neuartigen Verfahrens aus dem Bereich der Kernspintomographie,
dem
sogenannten Diffusions-Tensor-Imaging (DTI), kann man heute die Integrität
der
Nervenfasersysteme im Gehirn beim lebenden Menschen abbilden und Rückschlüsse
auf
mögliche Schädigungen ziehen. Bisher ist unklar, inwieweit
sich die Veränderungen der
Fasersysteme zwischen der Alzheimer Krankheit und der vaskulären
Demenz
unterscheiden. Dabei ist zu beachten, dass beide Krankheitsformen selten
in Reinform
auftreten, vielmehr gibt es Übergänge zwischen beiden Erkrankungen,
bei denen zu einer
Alzheimerkrankheit mehr oder weniger stark ausgeprägte Gefäßveränderungen
des Gehirns
hinzutreten. Die Bestimmung sogenannter Hyperintensitäten in der
weißen Substanz des
Gehirns mit der Kernspintomographie gibt Auskunft über das Ausmaß
der vaskulär
bedingten Veränderungen, so dass sich die Gruppe der Alzheimerpatienten
nach der
Ausprägung zusätzlicher Gefäßveränderungen
im Gehirn differenzieren lässt.
In unserer Studie wollen wir mit Hilfe der DTI die Schädigung der
Nervenfasersysteme im
Gehirn zwischen Patienten mit vaskulärer Demenz, Alzheimerpatienten
ohne deutliche
Marklagerhyperintensitäten und Alzheimerpatienten mit deutlich
ausgeprägten
Marklagerhyperintensitäten (als Hinweis auf zusätzliche Gefäßveränderungen
des Gehirns)
vergleichen. Wir erwarten uns aus dieser Untersuchung, Anhaltspunkte
zu gewinnen,
inwiefern
- cerebrovaskuläre Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, und
deren Behandlung die
Beeinträchtigung der Fasersysteme bei Patienten mit reiner Alzheimerkrankheit,
Patienten
mit zusätzlichen Gefäßveränderungen und Patienten
mit vaskulärer Demenz beeinflussen
- die Veränderungen der Fasersysteme mit dem Muster der kognitiven
Beeinträchtigungen
bei den unterschiedlichen Patientengruppen korrelieren
- die Ausprägung und die räumliche Verteilung der Faserveränderungen
in der DTI
zwischen Patienten mit vaskulärer Demenz und Patienten mit Alzheimerkrankheit
trennen
können. Dabei ist zu beachten, dass wir hiermit noch keine konklusive
diagnostische
Studie durchführen, sondern die Basis für die Durchführung
einer umfangreicheren
diagnostischen Studie mit dieser neuartigen Technik legen.
Eine Besonderheit dieses Antrages ist, dass wir in enger Kooperation
mit einer parallelen
Studie in Thailand stehen. Durch die Anwendung ähnlicher Akquisitionsparameter
und
gemeinsame Datenauswertung können wir die Ergebnisse aus Stichproben
beider Länder
vergleichen und so erste Hinweise gewinnen auf mögliche Unterschiede
in der Ausprägung
subkortikaler Läsionen zwischen den Krankheitsentitäten beider
Länder. Daraus lassen sich
möglicherweise Hinweise ableiten, warum die Auftretenshäufigkeit
der neurodegenerativen
und vaskulär bedingten Demenzerkrankungen in Europa und Asien so
deutlich differieren.
Zusammenfassend will unsere Studie das neuartige Verfahren der DTI zur
Darstellung der
Integrität der Fasersysteme des Gehirns nutzbar machen, um unser
Verständnis der
Ursachen der neurodegenerativen und der vaskulären Demenz zu erweitern
und erste
Hinweise auf einen möglichen diagnostischen Nutzen dieses Verfahren
zu gewinnen.
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